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Gute Beziehung: Mit Problemen umgehen

"Mit Problemen umgehen" bedeutet, auftretende Probleme in einer Beziehung nicht auf die Seite zu schieben, weil sie sonst immer wieder kommen und die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass sie schlimmer werden und sich vermehren.

Probleme lassen sich nicht vermeiden, in jeder Beziehung kommen früher oder später Herausforderungen an die Partner, kleine oder auch größere Probleme. Dann heißt es, lösbare Probleme zu lösen und bei "ewigen" Problemen gemeinsam einen Weg zu finden, mit ihnen umzugehen.

Hilfreiche Grundprinzipien für den Umgang mit Probleme, egal ob lösbar oder "ewig", sind die schon beschriebenen: sich kennen, in Verbindung sein, sich respektieren. Eine Lösung, ein Kompromiss oder auch eine vorläufige Lösung findet sich leichter, wenn die Partner einander zeigen, dass sie sich gegenseitig akzeptieren, Verständnis füreinander haben und die Perspektive des Anderen annehmen.

Geöffnetes FensterLösbar sind Probleme typischerweise dann, wenn sie sich an einer konkreten Situation festmachen, in der die beiden Partner (zu Beginn) unterschiedliche Positionen einnehmen, unterschiedliche Meinungen haben oder unterschiedliche Ziele verfolgen. Im Gegensatz dazu sind Probleme "ewige Probleme", wenn eigentlich nicht eine konkrete Situation, sondern ein tiefer liegender allgemeiner Konflikt das Problem verursacht - in diesem Fall nutzt es wenig, dieses eine konkrete Problem zu lösen, da es aufgrund des tiefer liegenden Konflikts bald wieder in gleicher oder ähnlicher Form auftauchen wird.
 
Eine und dasselbe Problem (beispielsweise: "Sie will am Samstag Abend mit ihm ausgehen und tanzen - er will am Samstag abend mit sein Freunden pokern") kann bei manchen Paaren in die Kategorie "lösbar", bei anderen in die Kategorie "ewig" fallen. Wenn nicht klar ist, in welche Kategorie ein Problem fällt, ist es vielleicht am einfachsten, zunächst das Problem möglichst konkret (also auf die Situation bezogen) zu lösen. Wenn es ein "lösbares" Problem war, ist es damit vom Tisch - ist es vom Typ "ewig", wird es wiederkommen, vielleicht in der gleichen, vielleicht in einer ähnlichen Weise. Dann ist wichtig, die Herangehensweise an das Problem zu ändern (s.u.), um sich als Paar nicht festzufahren, zu frustrieren oder daraus ein belastendes Dauerthema zu machen.

Lösbare Probleme lösen

Lösbare Probleme sind Probleme, die sich auf eine konkrete Situation beziehen, ohne dass ein tiefer liegender allgemeiner Konflikt das Problem verursacht.

Ziel des Problemlöseprozesses ist, eine Lösung zu finden, mit der beide Partner gut leben können, ohne dass der eine oder andere über den Tisch gezogen wird oder sich gegen seinen Willen verbiegen muss. Es kann sein, dass die Lösung ein Kompromiss ist und beide aufeinander zugehen. Es kann auch sein, dass die Lösung von einem der beiden eingebracht wird und der Andere zustimmt, beispielsweise weil er verstanden hat, welche Wichtigkeit eine bestimmte Lösung für den anderen hat.

Um für ein Problem eine passende Lösung zu finden, ist vor allem wichtig, einen angemessenen Kommunikationsstil zu finden. Im Einzelnen heißt das

  • Ich-Botschaften senden ("Ich fühle mich..." / "ich erlebe ..." / "bei mir kommt an...")
  • Gefühle wahrnehmen und äußern
  • beschreiben statt bewerten
  • deutlich sein; nicht erwarten, dass der andere "Gedanken liest", selbst nicht interpretieren, sondern nachfragen
  • wenn möglich Dinge positiv ausdrücken ("ich wünsche mir…") und nicht negativ ("nie bekomme ich…")
  • zuhören
  • Unrecht zugeben, sich entschuldigen
  • dem Anderen Zustimmung signalisieren
  • eine positive Grundhaltung zum Anderen einnehmen, ein positive Erwartungshaltung für den Gesprächsausgang haben
  • höflich bleiben
  • sich in den anderen hineinversetzen

Falls im Dialog etwas schiefgeht, kann man eine Pause einlegen, alleine etwas beruhigendes machen und anschließend wieder miteinander in Kontakt kommen ("welche Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse sind aktuell gerade wichtig?")

Stockt das Gespräch, kann man versuchen, das bereits Besprochene zusammenzufassen und dabei herauszufinden, wo es schon eine gemeinsame Grundlage gibt ("Worüber sind wir uns einig, welche Ziele haben wir gemeinsam, wie können wir diese Ziel erreichen?")

Bei Bedarf gibt es Angebote (beispielsweise "Ein partnerschaftliches Lernprogramm (EPL)"), in denen Paare ganz praktisch, mit eigenen Themen und nur für sich hilfreiche Kommunikationsmuster einüben können.

Mit ewigen Problemen umgehen lernen

Wie kann man als Paar mit "ewigen" Problemen umgehen, die immer wiederkommen? In diesen Fällen lautet das Ziel nicht, eine gemeinsame Lösung zu finden, sondern gemeinsam mit dem Problem leben lernen! Konkret heißt das, als Paar über das Problem reden können, ohne einander zu verletzen und ohne das Problem zu vergrößern.

In vielen Fällen geht es bei "ewigen" Problemen um sehr fundamentale Fragen, beispielsweise "einer der Partner will ein Kind, der andere nicht", "einer der Partner hat einen strengen Erziehungsstil, der andere einen lockeren", "einer der Partner ist sehr sparsam, der andere Partner gönnt sich gerne etwas". Solche Unterschiede führen dann zu konkreten Problemsituationen, die sich zwar im Einzelfall lösen lassen (beispielsweise "wir einigen uns darauf, dieses Mal Verhütungsmittel zu nehmen" / "wir einigen uns darauf, dass unser Kind heute Abend kein Fernsehen schauen darf" / "wir einigen uns darauf, dieses Jahr keinen Urlaub zu machen"), in dieser oder ähnlicher Weise aber bald wieder zur Diskussion stehen.

Also heißt es, die Ursache zu finden, in der ein konkretes Problem begründet ist. Typischerweise sind es Wünsche, Sehnsüchte, Hoffnungen oder Werte, die es zu entdecken gilt. Derjenige in der Beziehung, der diese Wünsche, Träume oder Bedürfnisse hat, muss sich manchmal erst selbst darüber klarwerden, was denn genau fehlt, also worin denn die Ursache für einen konkreten Konflikt liegt. Wenn er das weiß und sich dazu dem Partner mitteilt, hat der die Aufgabe, diese Bedürfnisse wahrzunehmen und zu akzeptieren, dass der Partner diese Bedürfnisse hat.

Ist das geschafft, können beide darüber sprechen, welche Gefühle damit verbunden sind (beispielsweise ist vielleicht der eine traurig darüber, dass sein Bedürfnis nach eigenen Kindern keine Resonanz findet, und der andere Partner erzählt von seinen Ängsten, kein guter Vater oder keine gute Mutter zu sein. In diesen Gesprächen geht es nicht darum, das aktuelle Problem selbst lösen zu wollen, sondern in Verbindung zu sein, sich zu verstehen und damit das Thema ein wenig zu entschärfen. Vielleicht ist es möglich, einen befristeten Kompromiss zu finden,

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