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Herausforderungen: Stress

Prof. Bodenmann vom Institut für Familienforschung und -beratung der Universität Freiburg hat zusammen mit seinen Mitarbeitern festgestellt, dass Alltagsstress eine hohe Belastung für die Partnerschaft darstellen kann, wenn es den beiden Partnern nicht gelingt, ihn angemessen zu bewältigen.

Stress entsteht, wenn zwischen den Anforderungen an eine Person und ihren Möglichkeiten, darauf zu reagieren ein Ungleichgewicht entsteht und dadurch die betroffene Person glaubt, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein und negative Konsequenzen daraus befürchtet.

Bodenmanns Untersuchungsergebnisse aus einer 5-Jahres-Längsschnittstudie mit über 2000 Personen zeigen, dass Paare mit viel Stress im Alltag ihre Paarbeziehung deutlich schlechter beurteilen als Paare mit wenig Stress, und die gestressten Paare am Ende ein erhöhtes Scheidungsrisiko aufweisen.

Gefährlich für die Paarbeziehung sind dabei nicht die großen Auslöser für Stress, also beispielsweise ein Todesfall, Umzug oder Arbeitslosigkeit. Negative Einflüsse haben stattdessen die alltäglichen kleinen Stresssituationen, beispielsweise den Bus verpassen, vom Chef kritisiert zu werden oder im Stau oder in der Warteschlange zu stehen.

Auswirkungen von Stress auf die Paarbeziehung sind:

  • Das Paar hat wegen der Stresssituationen weniger Zeit für sich. Diese Zeit fehlt, um sich emotional zu begegnen. Stattdessen ist der emotionale Austausch häufig oberflächlich, weil der gestresste Partner in Gedanken anderswo ist. Damit wird das "Wir-Gefühl" gestört.
  • Die Kommunikation zwischen den Partnern wird negativer, d.h. gereizter, ungeduldiger oder auch vermieden, und die Meinung des Partners interessiert weniger. Positive Kommunikation, also beispielsweise Anerkennung, Bewunderung oder Zustimmung nimmt unter Stress ab.

Beide Aspekte, also der gestörte emotionale Austausch und die negative Kommunikation haben aufeinander verstärkende Wirkung, das Paar kann also in eine Abwärtsspirale geraten und sich entfremden.

Ob sich Stress negativ auf die Partnerschaft auswirkt, ist vor allem davon abhängig, ob und wie das Paar mit Stress umgehen kann, und zwar vor allem als Paar und weniger als zwei einzelne Personen. In allen Fällen, in denen das Paar gemeinsamen Stress erlebt (beispielsweise durch die Kinder, bei Wohnungssuche oder Umzug) ist es wichtig, gemeinsam die Probleme zu lösen und auf die emotionale Verfassung des anderen adäquat einzugehen. In den Fällen, in denen nur einer der Partner von Stress betroffen ist, ist es wichtig, sich gegenseitig Unterstützung zu geben. Falls das gelingt, kann sich die Paarbeziehung dadurch sogar verbessern.

Bodenmann empfiehlt daher für eine positive Paarbeziehung, Stressbewältigungskompetenzen zu erwerben, beispielsweise in entsprechenden Kursen.


Auf Youtube befindet sich ein Vortrag von Prof. Dr. Bodenmann mit dem Titel "Bis dass der Stress euch scheidet".

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